Baustein 1: Nach Afrika ge-hört…

Zusammenfassung

Dieser Baustein ist in drei Parts gegliedert. Nach einer Warmup-Phase erarbeiten die SuS in Part 2 am Beispiel des senegalesischen Liedes Fatou yo eine rhythmisch-mehrstimmige Liedbegleitung. Das Kennenlernen des Liedes kann sehr gut mit dem gegenseitigen Kennenlernen in neuen Klassen oder Gruppen kombiniert werden. Im Projekt war es auch die erste Begegnung mit dem senegalesischen Gastmusiker.
In Part 3 geht es um das Kennenlernen verschiedener Instrumente aus Westafrika und dem Explorieren ihrer Klangmöglichkeiten. Die Live Performance des Musikers aus Senegal hat im Projekt zu einer authentischen Begegnung mit westafrikanischer Musizierpraxis geführt. Alternativ können Videobeispiele einen Eindruck vermitteln.
Im Projekt wurde vorwiegend mit Kalebasseninstrumenten gearbeitet – Kalebassen sind über den ganzen afrikanischen Kontinent verbreitet und sind wohl aus keiner der vielen afrikanischen Musikkulturen wegzudenken. Alternativ können die nachfolgenden Musizierimpulse auch auf anderen Percussionsinstrumenten gespielt werden.

Beschreibung

Part 1: Warm-up – Fatou yo

Warm-up: Wer ist wer?

  • SuS stehen im Kreis und nennen nacheinander in Kreisrichtung freimetrisch, aber so schnell als möglich deutlich ihren eigenen (Vor-) Namen. Dieser Ablauf wird mehrmals mit Temposteigerung wiederholt, bis zwischen den einzelnen Namen kaum mehr Pausen wahrzunehmen sind.
  • In der zweiten Runde nennen die SuS nicht mehr den eigenen Namen, sondern den des rechten Nachbarn.
  • im weiteren Verlauf tauschen die SuS nach jeder Namensrunde die Kreisplätze, so dass immer neue „Nachbarschaften“ entstehen.

Aus Namen werden Rhythmen…

SuS stehen im Kreis und treten abwechselnd mit dem rechten und dem linken Fuß einen gemeinsamen Beat auf der Stelle.

Tritt der rechte Fuß auf, spielt die rechte Hand mit der flachen Hand auf die Brust (Brustschlag), tritt der linke Fuß auf, spielt die rechte Hand an den rechten Oberschenkel. Das Pattern wird von allen fortlaufend wiederholt:

  • Runde 1: SuS A spricht auf den Brustschlag rhythmisiert den eigenen Namen, die ganze Gruppe wiederholt den Namen beim nächsten Brustschlag. Nacheinander spielen in Kreisrichtung die SuS ihren eigenen Namen rhythmisiert auf den Brustschlag, die Gruppe wiederholt jeweils beim nächsten Brustschlag.
    (Notation einfügen)
  • Runde 2: Wie Runde 1, doch spielt die Hand den Namensrhythmus nun auf die Brust rhythmisiert mit, die Gruppe wiederholt.
  • Runde 3: Der Name wird nur noch rhythmisch gespielt und nicht mehr mitgesprochen.
  • Runde 4: Alle Namen werden im Kreis nacheinander von allen synchron gespielt – es entsteht ein Gruppenrhythmus.
  • Runde 5: wie im Warm – up können nun die Kreisplätze getauscht werden. Durch die geänderte Reihenfolge entstehen immer neue rhythmische Abfolgen.

Rhythmische Namensketten

In Kleingruppen zu viert entscheiden sich die SuS für eine Namensreihenfolge und üben das daraus entstehende rhythmische Pattern mehrfach, bis ihn alle vier SuS sicher und synchron spielen können. Die Kleingruppen präsentieren ihre Rhythmen im Plenum. Im Anschluss gehen jeweils zwei Gruppen zusammen und versuchen, ihre beiden Rhythmen gleichzeitig zu spielen. So entsteht ein erstes polyrhythmisches Spiel – die Lehrperson sollte hier durch einen percussiven, stabilen Beat unterstützen.

Part 2: Fatou yo – Singen mit Körpersounds

Sprache der Mandinke, frei übersetzt:

Ich bin Fatou, die hübsche Fatou
Ich liebe meinen Namen Fatou

Fatou yo

….ist ein traditionelles und sehr populäres Lied, welches in verschiedenen Regionen Senegals generationsübergreifend gesungen wird. Fatou ist gleichermaßen ein sehr häufig vorkommender Mädchenname. In Westafrika werden Namen nicht individuell für ein Kind gewählt, sondern es gibt Namensfolgen in einer Familie. So heißen sehr viele Mädchen „ Fatou“ oder „Bintou“, oder Jungen „Cheikh“ oder „Abdoulaye“. Das namentliche Besingen der Anwesenden ist eine überlieferte und weit verbreitete Musizierpraxis und steht für die Wertschätzung und den Respekt jeden Individuums in der sozialen Gemeinschaft.

Im weiteren Verlauf sind Namensrhythmen und die im Lied vorkommenden Rhythmen Ausgangspunkt für das Entdecken des engen Bezugs zwischen Sprache und Rhythmus.

Im Unterricht kann der Refrain des Liedes Fatou yo wahlweise von der Lehrperson vorgesungen werden oder über nachstehendes YouTube-Video (bis min 1.05) gehört und nachgesungen werden. Der Text wird wie notiert gesungen.

  • SuS und Lehrperson stehen im Kreis.
  • Lehrperson führt kurz in die Herkunft und Bedeutung des Liedes Fatou yo ein
  • Lehrperson singt das Lied vor, die SuS klatschen im Rhythmus mit, sobald der Name „Fatou“ im Lied gesungen wird.
  • der Name „Fatou” wird beim wiederholten Singen durch die Namen verschiedener SuS ersetzt. So werden je nach Bedürfnis verschiedene oder alle SuS nacheinander besungen Die Klatschrhythmen verändern sich mit den Namen der SuS.

Begleitrhythmen zu Fatou yo:

Alle Begleitstrukturen werden in der Gruppe gemeinsam gespielt. Im Anschluss teilt sich die Klasse in drei Gruppen auf. Jede Gruppe übernimmt ein Begleitmuster.

  • Begleitung 1 „Fatou“ : Die SuS singen und klatschen rhythmisch an den Textstellen „Fatou“ mit

  • Begleitung 2 „Liedryhthmus“: Die SuS trommeln beidhändig den Liedrhythmus auf den Schenkeln mit

  • Begleitung 3 „beat“: die SuS spielen den beat in der Abfolge aus dem Warm-up mit

  • Alle drei Begleitmuster werden zum gesungenen Lied von allen drei Gruppen gespielt.
  • alle drei Begleitmuster werden gespielt, das Lied nur noch „stumm gesungen“, also innerlich nachvollzogen.

  • Alle Körpersounds werden in den Gruppen verändert

Part 3: Sounds aus Westafrika und Fatou yo

Aufführungspraxis

SuS sitzen im Kreis und hören der Live Performance eines afrikanischen Musikers zu. Alternativ schauen sie Videos von afrikanischen Musikern mit traditionellen Instrumenten zu.

Reflexion:

  • welche Spielweisen waren für euch neu?
  • Welche Instrumente waren für euch neu?
  • Was ist anders als an der Musik, die ihr kennt?

Immer nur drei! – Exploration im Kreis

SuS sitzen im Stuhlkreis:

  • Verschiedene percussive afrikanische Instrumente wie Kalebassen, , Kess-Kess, Cabasa, Wassertrommel, Mbira/Kalimba (Daumenklavier), verschiedene Rasseln, Glocken, Schlitztrommeln, Holzblocktrommeln, Balaphon (Xylophon) sind in der Kreismitte ausgestellt.
  • die Lehrperson bestimmt drei SuS die in der Kreismitte die verschiedenen Instrumente auf ihre Klangmöglichkeiten ausprobieren. Beendet ein SuS die Ausprobierphase, kann der nächste SuS in die Kreismitte. Es sollen nie mehr als drei SuS in der Kreismitte sein, die Vereinbarung der Reihenfolge findet nonverbal über die Wahrnehmung statt. So entsteht ein zufälliges Zusammenspiel zu dritt mit Zuhörenden im Kreis.

Fatou yo instrumental

  • SuS sortieren die im Kreis liegenden Instrumente so, daß ähnlich klingende Rhythmusinstrumente eine Station bilden (z.B. Rasselstation, Trommelstation, Glockenstation..).
  • SuS verteilen sich in ca drei gleichgroßen Gruppen zu den Stationen

Jede Gruppe überträgt nun einen der drei Begleitrhythmen auf eine instrumentale Spielweise.

Nach einer kurzen Erarbeitungszeit stellt jede Gruppe ihre instrumentale Fassung vor. Danach wird das Lied mit allen drei Instrumentengruppen musiziert.

Kompetenzen

Die SuS können:

  • sich viele verschiedene Namen auditiv merken.
  • räumlich-zeitliche Bezüge wahrnehmen und in der Bewegung ausführen.
  • Sprachrhythmus mit Bewegungsrhythmus koordinieren.
  • rhythmische Elemente in einem gesungenen Lied erkennen und mit Körpersounds nachgestalten.
  • auditiv aufmerksam sein.
  • einfache mehrstimmige Rhythmen sicher spielen.
  • offen und wertschätzend mit fremdem Instrumentarium umgehen.
  • kreative Spielweisen entwickeln.
  • Bewegungsrhythmen auf instrumentale Rhythmen übertragen.

Materialien

  •  Fatou yo – Notation
  • Afrikanische Instrumente durch Gastmusiker oder percussive Instrumente des Schulinstrumentariums