Baustein 2: Unbegrenzt musizieren


Zusammenfassung

Bei diesem Baustein geht es vor allem um das intuitive Umsetzen  und Interpretieren der Textkomposition „Unbegrenzt“ von Karlheinz Stockhausen „Aus den sieben Tagen“ (Nr. 26, 1968) . Eine Herausforderung stellt dabei das hohe Maß an Interpretationsfreiheit dar, welches von den SuS eine gezielte Entscheidung verlangt. In mehreren Durchläufen werden die getroffenen Entscheidungen im Plenum reflektiert und in der Umsetzung präzisiert. Die Reflexion beschäftigt sich vor allem damit, wie musikalische Qualität durch die ernsthafte Umsetzung des Textes entstehen kann.

Jede/r SuS trägt  Mitverantwortung für das Gelingen der Interpretation und ist im Spiel und in der Reflexion aktives Mitglied des Ensembles. Es entwickelt sich ein musikalisches Spiel durch die individuelle und kollektive Kreativität im Klassenverband.

  • Dauer:  2 x 90 min

Schlüsselwörter Kreativität & EntrepreneurshipIdeenfluss, Originalität, Produktion und Risikoübernahme

Best Practice

Beschreibung

  1. Vorbereitung: SuS bringen ihre eigenen Instrumente von zu Hause mit oder wählen sich eines aus dem Schulinstrumentarium aus. Die Umsetzung mit Stimme und Körperinstrumente ist ebenso möglich.
  2. Die SuS sitzen im Halbkreis und legen/stellen die Instrumente vor sich ab.
  3. Die Textkomposition „Unbegrenzt“ von Karlheinz Stockhausen wird wahlweise mit der Originalpartitur projiziert oder nur der Text gelesen.
  4. Die SuS setzen die Spielanleitung instrumental/vokal um – die Lehrkraft spielt mit oder nimmt aktiv hörend teil. Nach Möglichkeit wird die erste Version auch digital aufgenommen. Nach dem Ende der ersten Version wird das Ergebnis gemeinsam im Plenum reflektiert:
    • Freies Sammeln von Eindrücken z.B. mit Karten, die an der Pinnwand befestigt werden
    • Sortieren und Differenzieren der formulierten Eindrücke. Beispiele für reflexive Fragen:
      • was bedeutet es, die Spielanweisung genau umzusetzen?
      • was ist mit den Begriffen„Gewissheit“, „Zeit“ und „Raum“ genau gemeint?
      • wie genau wurde die Spielanleitung von uns umgesetzt?
      • wie unterschiedlich wurde die Freiheit in Raum und Zeit umgesetzt?
      • waren die Unterschiede für alle hörbar?
      • wie deutlich konntet ihr die anderen hören (auch die, die am weitesten weg sitzen)?
    • Veränderungsvorschläge im Sinne einer qualitativen Verbesserung formulieren
  5. Es erfolgen je nach Konzentration weitere Durchläufe, die auch digital aufgenommen werden. Nach jedem Durchlauf wird direkt an das Spielerlebnis oder im Anschluss an das Anhören der digitalen Aufnahme reflektiert, werden Änderungen vorgenommen und geübt.

Varianten

  1. SuS verfassen in Einzelarbeit selbst Texte, die als Spielanweisung dienen können.
  2. Lesen und Präsentieren aller Texte
  1. Wahlweise im Plenum oder in Gruppenarbeit wird eine Auswahl zur praktischen Umsetzung getroffen:
    Projektbeispiel:

Schulmorgen
Ruh dich anfangs leise aus,
doch am Ende lass´ laut die Sau raus

  1. Umsetzung von „Schulmorgen“ mit selbstgewählten Instrumenten.
    Anschließende Reflexion in Bezug auf

    • die Länge der Teile zueinander:
      1. Teil 1 „Ruh dich anfangs leise aus“ und
      2. Teil 2 „doch am Ende lass die Sau raus“
    • die dynamische Balance: Gibt es Instrumente, die z.B. durch ihre Lautstärke dominieren und das Spiel der übrigen Instrumenten möglicherweise überdecken?
    • die Differenzierung zwischen der realen Handlung „die Sau rauslassen“ und der Transposition auf die klanglich-musikalische Ebene: Veranschaulichung, dass einzelne laute Klangaktion kraftvoller klingen können, als beliebiges lautes Agieren auf Instrumenten.
  2. Umsetzen der Vorschläge zur Verbesserung/Veränderung

Kompetenzen

Die SuS können:

  • eine verbale Spielanweisung und innere Klangvorstellung instrumental/vokal zum Ausdruck bringen.
  • aufeinander hören und ihr eigenes Spiel sinnvoll in das Zusammenspiel integrieren.
  • ästhetische Qualitäten auf ihr Instrumentalspiel übertragen, reflektieren und weiterentwickeln.
  • die Vorstellung von realen Handlungen auf die klangliche Ebene transponieren.

Materialien

  • Karlheinz Stockhausen: Textkompositionen Aus den sieben Tagen (Nr. 26, 1968) Unbegrenzt
  • Papier und Stifte zum Verfassen eigener Texte
  • Aufnahmegerät