Von Kürbissen und afrikanischen Lebenswelten

Musik aus Afrika…

…wird oft mit pulsierenden Rhythmen, Trommeln und sprühender Energie in Verbindung gebracht. Genauer hingehört ergibt sich ein wesentlich differenzierteres Bild. Die Vielfalt an Ethnien, Sprachen, geografischen Gebieten und Lebenswelten spiegelt sich in einem Facettenreichtum an Musikstilen, Klangfarben und  Instrumenten wieder.

Die verschiedenen Musikformen entwickelten sich aus der Praxis und nicht „auf der Grundlage einer abstrakten Theorie“ (Brandily, 2001). So weisen Tonsysteme, rhythmische Organisationsprinzipien und die Musizierpraxis trotz einer laufenden Veränderung und Weiterentwicklung eine große historische Konstanz auf (Vgl. Ebd.). Durch verschiedenste Einflüsse wie das Wandern der Völker, die Kolonialzeit, Medine fand und findet ein reger kultureller Austausch statt, der die Musik und ihre Praxis verändert und prägt. Die Vielfalt an Ausdrucksformen, die durch die unterschiedliche Verwendung gemeinsamer Verfahren und Gebräuche entsteht ist das wichtigste Charakteristikum der Musiken Afrikas (Nketia, 1979). Zudem nimmt der individuelle Musiker mit seinem persönlichen Stil und seiner persönlichen Kreativität eine wichtige Rolle ein. (Kubik, 2004, S.17). Trotz aller Vielfalt lassen sich einige gemeinsame, übergreifende Merkmale afrikanischer Musizierpraxis herausbilden:

  • Die orale und auditive Vermittlungskultur: Musik wird über das Hören, Zuhören vermittelt, gelernt und erinnert, sie wird nicht notiert.
  • Call – response – Verfahren: Musikalische Verläufe werden durch vokale oder instrumentale rhythmische Patterns und deren Antworten gegliedert. Es ist dieser musikalische Dialog, der das Musikstück in seinem zeitlichen Verlauf strukturiert. Es gibt keine durchkomponierte Musik, keinen Dirigenten.
  • Der Rhythmus ist das grundlegende Element der Musik. Er entwickelt sich aus der Sprache heraus, aus der Bewegung und aus der sinnlichen Wahrnehmung alltäglicher Abläufe. Die Pulsation ist in der Musik Afrikas so im verankert, dass sie selbstverständlich stattfindet (Kubik, 2004). Sie ist sowohl für Tänzer als auch für Musiker eine „verbindende innere Wahrnehmung eines Ablaufs kleinster, regelmäßiger Pulseinheiten, ohne Anfang und Ende und ohne irgendeine A-priori-Akzentuierung“ (Ebd.).
  • Musik und Körper stehen in direkter Wechselbeziehung. Emotionen werden durch Musik und im Tanz zum Ausdruck gebracht. Verbal oder mit Körperbewegung/Tanz wird auf die Musik reagiert – so entsteht ein sich gegenseitig beeinflussendes Wechselspiel.
  • Musik ist ein gemeinschaftliches Erlebnis. Der Kreis als demokratische Form ermöglicht allen Teilhabenden die aktive Partizipation, es findet keine Bewertung statt.
  • Traditionelle Instrumente und Upcycling Instrumente.
  • Die Improvisation. Rhythmen und Lieder sind zwar in ihrem Gerüst oft streng festgelegt – doch das Spiel mit Textveränderungen, mit rhythmischen und melodischen Improvisationen ist die künstlerische Freiheit des Musizierenden.

Inspirationen aus Afrika in der Schule

Im Projekt Musikkreativ+ ging es vorwiegend um das kreative Potential, welches die Begegnung mit mit einer unbekannten Musizierpraxis entfalten kann. Die weitgehend unbekannten Instrumente wie Kürbis – oder Wassertrommeln (Kalebassen), Saiteninstrumente wie die Kora oder Ngoni eröffnen den SuS andere Klangwelten und helfen, sich von bestehenden Musiziermustern zu lösen. Bei den Rhythmen und Liedern geht es weniger um das exakte Nachgestalten „auf afrikanisch“ als vielmehr um ein gemeinsames Musizieren und Erfinden polyrhythmischer Gestalten. Die enge Anbindung an das Musik erfinden inspiriert aus alltäglichen Gegebenheiten wird im Baustein „Afrikanisches Dorf“ dargestellt. Hier spielt vor allem das Wahrnehmen von rhythmischen Phänomenen im alltäglichen Leben eine Rolle für den kreativen Umgang mit Instrumenten und musikalischem Rhythmus. Eine Besonderheit im Projekt war sicher die authentische Begegnung mit einem senegalesischen Musiker, der die Faszination der SuS an der Musik wesentlich geprägt hat. Nicht immer ist so eine Kooperation zu organisieren. Als Alternative sind in den folgenden Beispielen Filme oder Videos eingefügt. Die anschließenden Impulse für afrikanisch inspiriertes Musizieren sind als aufbauende Unterrichtsverläufe formuliert, können aber auch individuell zusammengestellt werden.

Literatur

  • Bender, W. 819859. Sweet Mother: Moderne afrikanische Musik. München: Trickster.
  • Billmeier, U., Keita, M. (1999). Traditionelle Rhythmen der Malinké. Engerda: Arun.
  • Brandily M. (2001). Kora Kosi – Die Musik Afrikas. Heidelberg: Palmyra Verlag,
  • Egger, A., Héma, M. (2007). Die Stimme des Balafon. Hamburg: Schell music.
  • Grosléziat, C. (2002). comptines et berceuses du baobab. Paris: Didier Jeunesses.
  • Koch,V. (1993). Begegnungen mit afrikanischer Musik. Hannover: Metzler Schulbuchverlag GmbH.
  • Konaté, F., Ott, T. (1997). Rhythmen und Lieder aus Guinea. Oldershausen: Institut für Didaktik populärer Musik.
  • Kubik, G. (2004). Zum Verstehen afrikanischer Musik. Wien:Lit Verlag.
  • Miller Chernoff, J. (1999). Rhythmen der Gemeinschaft. Wuppertal: Peter-Hammer-Verlag.
  • Nketia, J. H. (1991) Die Musik Afrikas. Wilhelmshaven: Otto Heinrich Noetzel Verlag.
  • Rault, L. (2000). Vom Klang der Welt. München: Frederking &ThalerVerlag.
  • Reck, D. (1992). Musik der Welt. Hamburg: Rogner & Bernhard GmbH&Co Verlags KG.
  • Schütz,V. (1992). Musik in Schwarzafrika. Arbeitsbuch für den Musikunterricht in den Sekundarstufen. Oldershausen: Institut für Didaktik populärer Musik,
  • Stockmann, E. (1987). Musikkulturen in Afrika. Berlin: Verlag Neue Musik.
  • Tang, P. (2007). Masters oft the sabar. Philadelphia: Temple university press.