Baustein 2: Soundcomposition

Zusammenfassung

Dieser Baustein baut auf dem zum Modulgehörenden “Hörspaziergang” auf. Nach der intensiven Beschäftigung mit bewusstem Hören, mit Stille-Erfahrung und dem forschenden Erhören eigener Lebenswelten geht es um den Reransfer der Höreindrücke auf die klangliche Ebene und der Gestaltung einer Soundcomposition.

Die SuS erarbeiten verschiedene Möglichkeiten für die musikalische Umsetzung heraus. Die Entwicklung einer eigenen Soundcomposition ist sehr offen zu verstehen und kann von den Gruppen unterschiedlich umgesetzt werden:

  • als konkrete, reproduzierende Nachgestaltung der wahrgenommen Höreindrücke einer Hörstation
  • als soundcomposition, in der Höreindrücke verschiedener Stationen zu einer neuen Klanglandschaft umgestaltet werden,
  • als Neugestaltung mit einer Mischung aus live produzierten und digitalen Sounds.

Dieser Baustein beschäftigt sich vorwiegend mit den ersten beiden Möglichkeiten. Das Treffen bewusster Entscheidungen für klangliche Qualitäten, für Formen musikalischen Zusammenspiels, für musikalische Dialog – und Interaktionsformen sowie die Gestaltung musikalischen Sinns in Bezug zum gewählten Thema stehen dabei im Vordergrund.

  • Dauer: 2 x 90 min

Schlüsselwörter Kreativität & EntrepreneurshipSensibilität für Probleme, Entwicklung von Ideen und Lösungen, Flexibilität

(Das Video beginnt direkt mit der Soundkomposition “Post – Caritas”.)

Beschreibung

Step 1: Warm-up – Sounddialog

Vorbereitung: SuS sitzen sich paarweise mit geschlossenen Augen auf Stühlen gegenüber, alle zusammen bilden dabei einen Halbkreis. Auf Karten sind Begriffe der Höreindrücke des Hörspaziergang (Baustein 1 Hörspaziergang listening walk) notiert (Bsp:  Stimmen/Gespräche, Glocken, Vogelgezwitscher, schnelle Schritte….).

Lehrperson spielt einen Begleitrhythmus,wahlweise ein durchlaufendes Rhythmuspattern eigener Wahl oder einen kontinuierlichen Grundschlag, 1 SuS als Dirigent

Ablauf :

  • Lehrperson beginnt mit dem Musizieren des Begleitrhythmus.
  • Der Dirigent wählt einen Begriff und stellt ihn den Spielpaaren vor
  • Berührt der Dirigent ein Spielpaar an der Schulter, beginnen diese den Sound mit Stimme oder Körpersounds nachzugestalten und improvisieren mit ihrem Spielpartner einen Sounddialog
  • Die Spielpaare agieren so lange, bis sie wieder vom Dirigent an der Schulter berührt werden und den Dialog beenden.
  • Der Dirigent kann beliebig viele Paare berühren und bestimmt so die Dynamik und die Vielstimmigkeit der Sounddialoge.

Spielt die Lehrperson einen Break, stoppen alle den Sounddialog. Bei dem Wieder- Einsetzen des Rhythmus setzen die beteiligten Spielpaare ihren Dialog fort.

Der Ablauf kann mehrmals mit wechselnden Dirigenten wiederholt werden. Jeder Dirigent kann sich neue Soundbegriffe auswählen.

Wahlweise kann der Ablauf auch nur mit verschiedenen Qualitäten von Gesprächen durchgeführt werden (Pausenhofgespräch, Flüstern im Unterricht, …)

Step 2: Hinführung Soundcomposition

SuS und Lehrperson betrachten die sound map (siehe Beschreibung “Hörpsaziergang”) und erarbeiten mögliche Sortierungen der notierten Höreindrücke jeder Station wie zum Beispiel:

  • Sortierung nach Klangerzeugung (perkussiv, klingend, …)
  • Sortierung nach Klangquelle (Mensch, Maschine, Natur…)
  • Sortierung nach bewegten/statischen Sounds (fliegende Vögel, vorbeihuschende Schritte versus Pausenklingel, das Klicken einer Fußgängerampel…)

Step 3: Musikalische Eigenschaften der Höreindrücke

Im Plenum werden anhand verschiedener Begriffe aus der Soundmap ihre musikalischen Eigenschaften herausgearbeitet, mit Bezugnahme auf ihre

  • räumliche Dimension wie Tonhöhe, Bewegungsrichtung des Sounds, punktueller, linearer oder flächiger Sound etc..,
  • zeitliche Dimension wie Tempo, Rhythmus,
  • dynamische Dimension wie Lautstärke, Akzentuierung, Klangfarbe

Bsp: rennende Schritte: schnelles Tempo, p – cresc – f – decres – p, perkussiv, Charakter, treibend, vorwärtsdrängend…

Gemeinsam wird eine erste Umsetzung der besprochenen Begriffe mit eigenem oder Schulinstrumentarium praktiziert.

Step 4: Entwicklung einer Soundcomposition

SuS gehen in Kleingruppen wie und entwickeln eine eigene Idee einer Soundscape. Dies kann auf unterschiedliche Weisen geschehen. Im Folgenden wird die Variante aus dem Projekt dargestellt:

  • SuS wählen Begriffe aus der Soundmap und erfinden eine kurze Geschichte dazu
  • SuS entscheiden sich für die vokale/instrumentale Umsetzung der in der Geschichte vorkommenden Sounds auf der Basis der vorab besprochenen Eigenschaften von Sounds.
  • Die Ergebnisse der Kleingruppen werden im Plenum vorgestellt
  • Alle Kleingruppenergebnisse werden nun erst nacheinander zu einer großen Soundcomposition zusammengeführt. Dann werden verschiedene Entscheidungen im Plenum getroffen und nach jedem Durchlauf reflektiert.

Impulse für den Entscheidungsprozess und die Reflexion:

  • Wer spielt wann?
  • Wer spielt mit wem zusammen, wer spielt eine andere Stimme?
  • Spielen alle gleichzeitig, nacheinander oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten?
  • Werden Instrumente gewechselt?
  • Wie können Instrumenten anders“ gespielt werden
  • Wo sind Pausen?
  • Gibt es Wiederholungen?
  • Gibt es überraschende Momente?…..

Der Prozess der Weiterentwicklung kann über mehrere Wochen verlaufen, in denen das selbst entwickelte Stück immer wieder gespielt, aufgenommen, reflektiert und verändert wird bis ein reproduzierbares, für die SuS und die Lehrperson zufriedenstellendes Ergebnis erreicht ist.

Kompetenzen

Die SuS können:

  • ohne visuelle Kontrolle mit einem Gegenüber verbal oder klanglich kommunizieren.
  • Höreindrücke in ihrer musikalischen Eigenschaft beschreiben und vokal/instrumental umsetzen.
  • eigene musikalische Ideen zum Ausdruck bringen und im Zusammenspiel mit anderen realisieren und gestalten.
  • eigenverantwortlich Absprachen in der Gruppe treffen und mit anderen konstruktiv zusammenarbeiten.

Materialien

  • Sound map und Soundmapkarten
  • schuleigenes Instrumentarium
  • Instrumente der SuS, soweit vorhanden
  • Begriffskarten
  • Aufnahmegerät